SUSPEKTE ABSTRICHBEFUNDE – EINIGE WICHTIGE INFORMATIONEN

Gebärmutterhalskrebs ist weltweit die zweithäufigste Krebserkrankung der Frau. Alleine in Deutschland werden jährlich ca. 6200 Neuerkrankungen registriert. Im Rahmen der gynäkologischen Untersuchung in unserer Praxis werden regelmäßig die Abstriche auf mögliche frühe Anzeichen von verdächtigen Zellveränderungen der Schleimhaut des Gebärmutterhalses untersucht. ( Zyto-Abstrich). In 99 % der Fälle von Erkrankungen an Gebärmutterhalskrebs werden humane Papillomaviren (HPV) nachgewiesen. Ein direkter Zusammenhang zwischen der Infektion mit dem HPV und der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs konnte bewiesen werden. Der deutsche Wissenschaftler Harald zur Hausen erhielt für diese Erkenntnis u.a. 2008 den Medizin-Nobelpreis. Bislang sind 150 Typen des humanen Papillomavirus bekannt, wovon die meisten für den Menschen harmlos sind. Etwa 30 Typen kommen im Genitalbereich vor und 14 von ihnen können in seltenen Fällen Gebärmutterhalskrebs verursachen. Diese werden als Hochrisikotypen (high risk HPV) bezeichnet. Häufig bestehen HPV Infektionen nur vorübergehend und heilen von alleine ohne weitere gesundheitlichen Folgen unbemerkt ab. Die infizierten Frauen wissen daher von der Infektion oft nichts. Wenn allerdings eine Infektion mit einem der Hoch-Risiko-Typen länger besteht erhöht sich das Risiko an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken.

Diagnostik und Vorgehen

Es ist deshalb unverzichtbar eine exakte HPV Diagnostik durchzuführen, sollte der Abstrich vom Muttermund (PAP) eine Stufe II W oder höher mit dem V.a. HPV Infektion ergeben haben. Wir haben heute die Möglichkeit mittels eines sogenannten Targetamplifikationstestes (Aptima – Test) exakt zu beurteilen, ob es sich um einen potenziell gefährlichen HPV Typen handelt oder nicht – dieser Gentest ermöglicht es erstmalig eine Prognose dahingehend zu erstellen, wie sich das Abstrichergebnis in Zukunft ändern wird . Wesentlich ist in diesem Zusammenhang die sinnvolle Kombination der zur Verfügung stehenden diagnostischen Tests : bei einem Nachweis des Hochrisikogens ist es wichtig zu wissen wie die Zellen des Muttermundes auf diese Infektion reagieren. Im Idealfall „wehren “ sich die Zellen gegen die Infektion – also mobilisieren sie ihr zelleigenes Immunsystem um sich zu schützen – ähnlich einer Reaktion des Körpers bei einer Virusinfektion (z.B. Grippe oder Röteln) Diese Abwehrreaktion können wir ebenfalls aus dem Abstrich herauslesen und ggf. nachweisen. Es wird im Labor der Nachweis eines Eiweißes geführt, welches nur bei dieser Abwehrreaktion in den bettreffenden Zellen entsteht. (L1 Kapsidprotein). Damit haben wir die Möglichkeit die Abwehrreaktion der einzelnen Zellen zu beobachten und in die Beurteilung des zu erwartenden Verlaufes einzubeziehen denn : in ca.90% der Fälle in denen bei Nachweis des Hochrisikovirus auch das L1 – Eiweiß nachgewiesen werden konnte – also eine entsprechende Immunantwort vorlag – verbesserten sich die Abstriche innerhalb einen Jahres wieder in den normalen Bereich !

Leider gelingt der Nachweis einer erfolgreichen Abwehrreaktion nicht immer – da nicht in jedem Fall die Muttermundszellen eine erfolgreiche Immunantwort generieren.  ( oder diese Reaktion vielleicht nachgewiesen wurde, aber bei einer Kontrolle nicht mehr vorlag) Für Sie als Patientin ist es absolut wichtig zu wissen, wie hoch in diesem Fall das Risiko ist an Gebärmutterhlaskrebs zu erkranken . Hier hilft eine weitere spezielle Untersuchung des Abstrichmateriales : Die Bestimmung der sogenannten Tumoreiweiße :(P16 / Ki 64) . Werden im Abstrichpräparat diese Eiweiß in einzelnen Zellen nachgewiesen ist der Übergang dieser Zellen in Tumorzellen nachgewiesen . An dieser Stelle ist ein weiteres Zuwarten nicht mehr möglich – es muß ein operativer Eingriff durchgeführt werden, der 2 Ziele hat: 1. Entnahme von Gewebe und dessen Beurteilung in einer sogenannten feingeweblichen ( histologischen) Untersuchung – diese läßt Rückschlüsse auf die Verbreitung der Tumorzellen zu und 2. die operative Entfernung des Herdes „im Gesunden“ und somit die komplette Heilung .

Sie sehen also – hinter dem „nur ein Abstrich“ steckt viel Diagnostik und Wissenschaft.

Es hat sich in der täglichen Praxis bewährt Sie als Patientin schriftlich per Post über einen kontrollbedürftigen Befund zu informieren. Das ist sicher und leicht zu dokumentieren, auch wenn Post vom Frauenarzt nicht zu den angenehmen Dingen im Leben zählt.